Vorbericht zur 99. Kunstauktion
Die Abteilung Druckgraphik des 17. bis 19. Jahrhunderts
bietet mit Nicolas Plattenbergs prachtvollen und tiefschwarzem Kupferstich,
der ein markantes Memento-Mori-Motiv wiedergibt, ein gesuchtes Rarissimum (Los 5179).
Plattenberg, genannt Plattemontagne, fertigte das eindringliche, an den Tod gemahnende Stilleben
mit Rose, Uhr und Totenschädel nach einem Gemälde Philipp de Champaignes, in dessen Werkstatt er viele Jahre tätig war.
Des Weiteren kommen zwei prominente und frühe Abzüge der Radierungen Rembrandts
zur Geschichte Abrahams (Los 5184 und 5185) zum Aufruf.
„Abraham, die Engel bewirtend“ war schon zu Lebzeiten Rembrandts ein großer Verkaufserfolg
und geht auf eine indische Miniatur zurück.
Das mit 17 Blatt nahezu vollständige druckgraphische Oeuvre Wilhelm Leibls – die meisten Abzüge in frühen Zuständen –
wird als einheitliche und schön erhaltene Sammlung nicht nur die Bewunderer
von Leibls Talenten auf dem Gebiet der Radierung bezaubern (5445).
Der Bereich der Gemälde Alte Meister kann mit zwei Sensationen aufwarten:
Eine atmosphärische, idyllische Waldlandschaft mit badenden Nymphen von Jan Lievens (6036)
taucht nach über 300 Jahren wieder auf.
Zuerst im Inventar der Witwe Gerrit Cloppenburghs von 1704 erwähnt,
von Abraham Bredius 1915 in seinen Künstler-Inventaren und im Catalogue Raisonné von Echneider und Ekkart lediglich übernommen,
blieb das Gemälde, die letzten Jahrzehnte in rheinischem Privatbesitz verweilend, bislang unentdeckt.
Nur wenige, von flämischen wie venezianischen Einflüssen geprägte Waldlandschaften Lievens sind bekannt.
Der betont reizvollen jugendlichen Schönheit von Potiphars Weib kann sich Joseph
in dem Ölgemälde von Christiaen van Couwenbergh standhaft widersetzen.
Die großformatige, im Jahre 1626 datierte und monogrammierte Komposition
zählt zu den frühesten bekannten Werken des in Delft geborenen Künstlers
und war seit etwa 80 Jahren nicht mehr in der Öffentlichkeit zu sehen (6027).
Van Couwenbergh, der Rom wohl nie gesehen hat, hielt sich vermutlich in den Jahren 1622 bis 1624
im Umkreis von Gerrit van Honthorst und Dirck van Baburen in Utrecht, dem Zentrum des holländischen Caravaggismus, auf.
In dem kurz danach entstandenen Gemälde adaptiert van Couwenbergh caravaggeske Stilelemente,
wie das Chiaroscuro und die sensuelle Stofflichkeit, wenngleich er sie auf seine Art weiter entwickelt.
Eine Folge mit Darstellungen der 7 Sakramente des Venezianers Pietro Antonio Novelli
führt das umfangreiche Angebot an Zeichnungen Alter Meister an.
Die mit reizvollen Lichteffekten aufwartenden Federzeichnungen
wurden von dem Karmeliterpater Ghendini in Auftrag gegeben,
der mit Novelli einen der bedeutendsten Venezianischen Künstler der Zeit für diese Arbeit gewählt hatte (Los 6340).
Ebenfalls in Venedig schuf Martin Preyss fast 200 Jahre zuvor eine vielfigurige und
in brauner Feder gehaltene Vorlagenzeichnung für seinen großformatigen Kupferstich
mit der Hochzeit zu Kanaa nach einem Fresco Andrea Michielis (6253).
Weitere Highlights sind eine Landschaft von Salvator Rosa (6260),
sowie eine die Seemacht Frankreichs verherrlichende, um 1770 entstandene Darstellung des Hafens von Marseille
und das „Meditation“ betitelte Aquarell Lèon Spillaerts,
welches als Illustration für das altflämische Mirakelspiel „Das Mariechen von Nymwegen“ entstand (6469).
Unter den Hauptlosen unserer kommenden Auktion Moderne Kunst
sticht ein Landschaftsaquarell von Fernand Léger aus dem Jahre 1921 heraus.
Die hügelige Landschaft mit zwei gewundenen Bäumen und strahlend blauem Himmel
zählt zu den äußerst seltenen Bildmotiven Légers (8271).
Mitten in den Kriegswirren 1943 entstand Karl Hofers bedeutendes Gemälde „Mädchen mit grüner Fahne“ (8194).
Aus dem Jahr 1954 stammt Fritz Winters herausragende Komposition mit exzellenter Provenienz:
Annely Juda Fine Art präsentierte das Werk 1972 im Rahmen ihrer Ausstellungsreihe „The Non-Objective World“ (8447).
Die zeitgenössische Kunst ist prominent vertreten mit einer frühen großformatigen Mischtechnik auf Papier von Neo Rauch.
Die „Saul Ascher“ betitelte Arbeit entstand 1991 anlässlich der Ausstellung „Harzreise“
in der Leipziger Galerie Am Kraftwerk (8381).
Den deutschen Expressionismus repräsentieren unter anderem Lyonel Feininger, George Grosz und Emil Nolde
mit Arbeiten auf Papier (8128, 8158, 8319).
Entdecken kann der Interessierte auch bedeutende Arbeiten weniger bekannter Künstler
aus dem beginnenden 20. Jahrhundert, so zum Beispiel die berührende und
kunsthistorisch bedeutende sozialkritische Darstellung „Die Obdachlosen“ von Willibald Krain (8262),
zwei großformatige furiose Farbmonotypien von Moriz Melzer (8298, 8301),
sowie ausdrucksstarke Arbeiten von Fritz Huhnen, Hans Jüchser, Paul Kleinschmidt, Bernhard Kretzschmar und Eberhard Viegener,
um nur einige wenige zu nennen.
Im Bereich der Druckgraphik bietet der Katalog erneut besonders viele Höhepunkte
mit Werken von Willi Baumeister, Max Beckmann, Marc Chagall, Max Ernst,
eine Sammlung Radierungen Fautriers, Ernst Ludwig Kirchner, Paul Klee, Käthe Kollwitz, Joan Miró, Pablo Picasso,
Serge Poliakoff und Karl Schmidt-Rottluff.
Skulpturen von Waldemar Grzimek, Bernhard Hoetger, Wilhelm Lehmbruck, Reneé Sintenis und Wolf Vostell runden das Angebot ab.
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